Illegaler Hundehandel – ein Geschäft mit dem Mitleid

Vom 4. März 2013

Wenn man der Wunsch nach einem vierbeinigen Familienmitglied entsteht, hat man viele Bilder im Kopf – aus Büchern, von Bekannten oder dem Fernsehen. Bilder von glücklichen, winzigen Welpen mit ihrer Mama und Menschen, die sie hüten und pflegen, um ihnen einen möglichst guten Start in das Leben zu ermöglichen. Aber die Realität sieht meist anders aus. Aus meiner langjährigen Berufspraxis sind mir viele Geschichten bekannt. Geschichten, die bei Mensch und Tier mit sehr viel Leid verbunden sind.
In meinen Augen besteht ein dringender Handlungsbedarf gegen diesen unseriösen Hundehandel. Eine umfangreiche Aufklärungsarbeit zur Sensibilisierung ist notwendig, um den skrupellosen Methoden der Hundevermehrer Einhalt zu gebieten.

Möglichkeiten, Welpen bzw. Hunde zu erwerben sind vielfältig. Neben seriösen wie z.B. Tierheimen und anerkannten Züchtern findet man Angebote von Welpen in Form von Kleinanzeigen in Zeitungen und dem Internet, auf Tiermärkten etc. Übrigens, PETA vermutet hinter den Kleinanzeigen in Zeitungen und dem Internet inzwischen 90 % illegale Hundevermehrer…
Wenn man an Hundehandel denkt, dachte man bisher an den Klassiker, den Welpen im Käfig auf einem „Hinterhofmarkt“. Aber es ist viel mehr als das – es ist ein gewinnbringendes Geschäft, ein ausgeklügeltes System, dass europaweit funktioniert. Die Tiere kosten oft nur einen Bruchteil von dem, was ein qualifizierter Züchter nimmt. Die Gründe dafür, sind offensichtlich.

Sogenannte Vermehrerfarmen im Osteuropa, aber auch Holland und Belgien (aber auch im Inland) produzieren günstig Modehundeassen, die unser Herz begehren – vom Chihuahua, Jack Russel bis zum Golden Retriever. Lange Transporte zu Zwischenhändlern und dann zum Endverbraucher- dem liebenden Hundehalter – fordern ihren Preis. Viele Welpen sterben während des anstrengenden Transportes, eng zusammengepfercht, ohne Wasser und Futter. Verluste sind einkalkuliert. Minimaler Einsatz – maximaler Gewinn.
Ominöse Übergaben auf irgendwelchen Parkplätzen, ohne oder mit gefälschten Kaufverträgen, Papieren, Stammbäumen, Impfpässen sind kennzeichnend. Nachweise über die Herkunft der Tiere sind nicht nachvollziehbar. Eventuelle Schadensforderungen bei kranken und gestörten Tieren und finden auf diesem Weg keinen Adressaten, Rechtsansprüche können nicht geltend gemacht werden. Zurückbleiben unglückliche Halter, die diesen Fehler so nicht wieder machen würden.

Wer einen Welpen zu sich nimmt und damit meint, helfen zu können, geht einen fatalen Fehler. Das Geschäft mit den Welpen folgt den Regeln des Marktes – Bedarf und Nachfrage. Denn die nächsten Welpen sind bereits unterwegs. Das unendliche Leid der Elterntiere scheint dabei auch ausgeblendet. Diese Muttertiere fristen als lebendige Gebärmaschinen unter lebensunwürdigen und unerträglichen Zuständen ihr Dasein in irgendwelchen Scheunen, alten LPG-Ställen etc. In engen Buchten, ohne Bewegung, ohne medizinische Versorgung, ohne Tageslicht… Manche von ihnen haben noch nie den Himmel gesehen.
Die Welpen werden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt – zu einer Zeit in der sie u.a. noch auf Muttermilch angewiesen sind. Folge davon, das Immunsystem wird nicht vollends gestärkt, Krankheiten können nicht abgewehrt werden. Da kein Impfschutz besteht, haben Krankheiten freie Bahn. Ansteckende Krankheiten, aber auch übertragbare Krankheiten auf den Menschen (Zoonosen genannt) sind keine Seltenheit.

Hunde mit dieser Geschichte – jenseits des Lebens vom Ponyhof – sind, wenn sie die ersten Wochen bei ihren neuen, ahnungslosen Halter_innen überleben, meist ihr Leben lang gesundheitlich anfällig und /oder weisen Verhaltensauffälligkeiten bis Verhaltensstörungen auf. Ihr Leben lang, da die Schäden aufgrund der schlechten und mangelnden Erfahrungen in den ersten Lebenswochen irreversibel, d.h. nicht reparabel sind.
Deprivationssyndrome, Phobien, Multiple Angststörungen, Stereotypien um nur einige zu nennen. Unsichere, ängstliche, aggressive Tiere sind das Ergebnis. Mit kompetenter Verhaltenstherapie kann man eine gewisse Lebensqualität für Hund und Halter erreichen. Dies braucht in einem hohen Maße Geduld, Konsequenz, Liebe und Einfühlungsvermögen, aber auch die zeitliche Ressourcen für eine oft langwierige Therapie und eben auch die finanziellen Mittel.

Das Geschäft mit den „Discountwelpen“ funktioniert nur, weil es ein Geschäft mit Gefühlen ist. Kaufen Sie niemals einen Hund aus Mitleid. Die einzige Möglichkeit, diesem tierquälerischen Treiben ein Ende zu bereiten, ist, so schwer es auch fällt: ein Nein zur Rettung aus Mitleid und ein Nein zu billigen „Discounthunden“.
Und glauben Sie mir, auch mir würde es verdammt schwerfallen, würde mir jemand auf einem dieser Märkte einen kleinen unsicheren Welpen mit Knopfaugen und flehendem Blick ungewollt in den Arm drücken.

Praktische Tipps bei der Welpen- und Hundesuche:

– Werden Sie stutzig, wenn Ihnen günstig Welpen für 100,00 -200 € angeboten werden
(Seriöse Welpenaufzucht von qualifizierten Züchtern ist zu diesen Preisen unmöglich).
– Erfragen Sie korrekte Adresse des Händlers oder Züchters und machen Sie sich unbedingt ein persönliches Bild vor Ort.
(Lassen Sie sich auch hier nicht von fadenscheinigen Geschichten beeinflussen)
– Lassen Sie sich unbedingt immer das Muttertier/Elterntiere/ Geschwister zeigen. Fallen Sie nicht auf Lügengeschichten herein, wo sich die Tiere gerade aufhalten könnten…
– Die Tiere sollten mindestens 8 Wochen alt sein, ansonsten gehören sie unbedingt und ohne Ausnahme zu ihrer Mutter und den Geschwistern.
– Lassen Sie sich nicht von „Sonderangeboten“ locken.
– Werden Sie außerdem vorsichtig, wenn mehrere Rassen und verschiedene Würfe angeboten werden.
– Lernen Sie zwischen den Zeilen lesen.
– Anzeigen wie z.B. „Mischlingswelpen zu verkaufen 0123-45678910“ sollten ignoriert werden.
(Menschen mit Herz schreiben mehr Infos über ihre Lieblinge. Glauben Sie mir.)
– Fotos mit Welpen in einer Scheune sollten für sich sprechen.
– Vorsicht ist auch geboten, wenn unter dem Label Tierschutz agiert wird, denn wo Tierschutz drauf steht, ist nicht immer Tierschutz drin.
– Zu guter Letzt: Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Auch wenn es schwerfällt, dem Kindchenschema und den Kulleraugen eines Welpen zu widerstehen!

lene&welpen

Quellen & Empfehlungen zum Weiterlesen:

www.hinsehen-statt-wegsehen.de
http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/432744_plusminus/12778088_zweifelhafter-welpenhandel
www.vier-pfoten.de
www.leid-der vermehrerhunde.de
www.tasso.net
www.wuehltischwelpen.de
http://www.vier-pfoten.de
www.dogsguard.org
http://www.tierschutzbund.de

„Die Welpenmafia“ – Wenn Hunde nur noch Ware sind. Von Posch, Melchior & Schütz in Zusammenarbeit mit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten

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