
Ruhe ist in meiner Arbeit kein kleiner Baustein, kein „Nett, wenn’s klappt“.
Sie ist die Grundlage von allem, was zwischen Mensch und Hund entsteht.
Ich sehe das täglich in meinen Beratungen:
Da sitzt ein Hund scheinbar entspannt auf seiner Decke – der Mensch sagt: „Siehst du, er kann das doch.“
Doch während wir sprechen, beobachte ich die feinen Anzeichen:
Die Atemfrequenz bleibt hoch.
Die Muskulatur ist angespannt.
Die Ohren reagieren auf jedes Geräusch.
Der Blick wandert ständig.
Äußerlich Ruhe.
Innerlich Alarm.
Und dann gibt es die anderen Fälle – die, die mich immer wieder berühren:
Ein Hund kommt völlig aufgedreht zur Beratung, über die Schwelle gefegt vom eigenen Stress.
Doch sobald wir den Druck herausnehmen, Pausen ermöglichen und die Erwartungen halbieren, passiert plötzlich etwas:
Die Atmung wird tiefer.
Der Körper wird weicher.
Manchmal legt der Hund sich das erste Mal seit Tagen wirklich ab – nicht auf Befehl, sondern aus eigener Entscheidung.
Diese Momente haben meine Arbeit geprägt.
Sie haben mich gelehrt, dass Ruhe kein Verhalten ist, das wir „trainieren“.
Ruhe ist ein Zustand des Nervensystems, der nur entstehen kann, wenn Sicherheit da ist.
Und genau deshalb ist sie die Basis für alles Weitere:
für Lernen, für Entwicklung, für Orientierung, für Problem- und Konfliktlösung – und für eine Beziehung, die trägt.
Ruhe beginnt im Nervensystem – nicht auf der Decke
Ich erkläre es meinen Kund:innen immer wieder: Ruhe ist kein „Platz“ oder „Bleib“.
Sie ist ein biologischer Zustand, kein erlerntes Kommando oder Signal.
Ein Hund ruht erst, wenn sein Parasympathikus aktiv wird –
der Teil des Nervensystems, der für Erholung, Heilung und Verarbeitung zuständig ist.
Das bedeutet konkret:
- ➤ Ein Hund kann liegen und trotzdem angespannt sein.
- ➤ Ein Hund kann still sein, aber innerlich in Alarmbereitschaft bleiben.
- ➤ Ein Hund kann funktionieren, aber nicht loslassen.
Ich habe gelernt, diese Unterschiede zu sehen, bevor äußeres Verhalten Beurteilungen oder Trainingsentscheidungen bestimmt.
Sicherheit ist die Voraussetzung für Ruhe
In meinen Beratungen zeigt sich oft dasselbe Muster:
Die Hunde, die nicht zur Ruhe kommen, sind häufig unsicher oder überfordert.
Und die Unsicherheit ist selten das Problem des Hundes allein.
Sicherheit entsteht, wenn:
- ➤ die Umgebung einschätzbar ist
- ➤ der Mensch berechenbar agiert
- ➤ Kommunikation klar und zuverlässig ist
- ➤ Orientierung geboten wird
- ➤ der Hund spürt: „Hier muss ich nichts leisten, hier darf ich sein“
Ohne diese Sicherheit bleibt das Nervensystem wachsam.
Wachsamkeit verhindert Ruhe.
Keine Ruhe – keine Entwicklung.

Co-Regulation: Wie ich Hunde in Ruhe begleite
Echte Ruhe entsteht selten isoliert.
Hunde lernen sie in Beziehung.
Wenn ich in einer Beratung bewusst ruhig bleibe, mich langsam bewege, Atem und Körperhaltung anpasse, passiert etwas:
Der Hund orientiert sich, spürt Stabilität, lässt los.
Manchmal dauert es nur Sekunden, manchmal Minuten – aber die Wirkung ist spürbar: tiefe Entspannung breitet sich aus.
Für mich ist das kein Training im klassischen Sinne.
Es ist Beziehungsarbeit.
Es ist Co-Regulation: ein Zusammenspiel zweier Nervensysteme, in dem ich als Mensch sicherer Anker bin.
Ruhe als Basis für Lernen und Verhalten
Viele Verhaltensprobleme entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus einem überlasteten Nervensystem.
Ein Hund, der nicht loslassen kann, kann keine Impulse steuern, Reize verarbeiten oder sozial verträglich reagieren.
Ruhe ermöglicht:
- ➤ Impulskontrolle
- ➤ Frustrationstoleranz
- ➤ soziales Verhalten
- ➤ Anpassungsfähigkeit
- ➤ stressfreie Spaziergänge
- ➤ stabile Bindung
Deshalb beginne ich fast jede Beratung mit derselben Frage:
Wie steht es um die Ruhe?
Nicht, weil Ruhe alle Probleme löst.
Sondern, weil ohne Ruhe vieles gar nicht lösbar wird.
Ruhe ist Beziehungsarbeit – kein Trainingsschritt
Für mich bedeutet Ruhe:
- ➤ Beziehung statt Befehl
- ➤ Sicherheit statt Kontrolle
- ➤ Orientierung statt Perfektion
- ➤ Nervensystem statt Oberfläche
Ruhe ist kein Ziel, das man erreicht, sondern ein Zustand, der immer wieder gemeinsam gefunden wird.
Sie zeigt, wie sicher ein Hund sich fühlt.
Sie zeigt, wie gut wir Halt geben können.
Sie zeigt, wie stabil die Beziehung im Alltag ist.
Fazit
Ruhe ist wichtig, weil sie:
- ➤ das Nervensystem stabilisiert
- ➤ Stress abbaut
- ➤ Lernen ermöglicht
- ➤ Verhalten regulierbar macht
- ➤ Orientierung und Vertrauen stärkt
- ➤ das Zusammenleben erleichtert
Ruhe ist kein Zustand, den man erzwingt.
Sie ist ein Zustand, den wir gemeinsam entdecken.
Sie ist die Grundlage für alles, was wir mit unseren Hunden erreichen wollen – vom Welpenalter bis ins Erwachsenenleben.
✨ Impuls für dich:
Wo erlebt dein Hund im Alltag echte Ruhe – und wo spürst du, dass Sicherheit ihn unterstützt?
💌 Sanfte Impulse & Begleitung im Newsletter:
nadineliebert.de/newsletter
📖 Vertiefendes Praxiswissen in meinem Buch „DER WELPENKOMPASS – Gut begleitet durch die Welpenzeit.“:
Mit über 20 Jahren Erfahrung, praxisnahen Tipps und wertvollem Wissen aus der Verhaltensberatung.
Erhältlich über nadineliebert.de, in Magdeburg bei der Fachtierarztpraxis Lippert, im Buchladen Janaschs, u.s.w.

