
Kennst du das? Dein Hund zieht an der Leine, springt auf Besucher:innen oder ignoriert Kommandos – egal, wie viel du trainierst?
In meiner Verhaltensberatung arbeite ich seit über 20 Jahren mit Hunden und ihren Menschen. Mein Ansatz ist klar: Ich bekämpfe keine Symptome, sondern gehe den Ursachen von Problemen und Missverständnissen auf den Grund.
Eines der größten Themen, das ich immer wieder sehe, ist Stress, Erregung und überreizte Reizverarbeitung. Viele Hunde sind innerlich und äußerlich angespannt – und die Halter:innen oft ebenso.
In solchen Momenten gerät die Beziehung leicht in Schieflage: Problemverhalten entsteht, „Kommandos“ funktionieren nicht, beide Seiten sind frustriert und angespannt.
Die Lösung: Ruhe, Regeneration und Erholung. Sie bilden die Basis für ein gelassenes Miteinander und verhindern viele Probleme von vornherein.
Warum Ruhe Problemverhalten verhindert
Hunde, die sich sicher fühlen und wirklich zur Ruhe kommen, können:
- Impulse besser kontrollieren
- Schneller lernen
- Gelassener auf Menschen, andere Hunde und neue Situationen reagieren
- Sich stärker an dir orientieren und enger zusammenarbeiten
Nur wenn Sicherheit und Ruhe gewährleistet sind, entsteht gewünschtes Verhalten und eine vertrauensvolle Bindung.
Ursachen für Problemverhalten
Viele Halter:innen wundern sich, warum ihr Hund „trotz Training“ immer wieder unerwünschtes Verhalten zeigt. Die Ursache liegt nicht an mangelnder Disziplin, sondern neben unrealistischen Erwartungen an Stress und fehlender Ruhe.
1. Hunde brauchen mehr Ruhe als Menschen
Hunde schlafen und ruhen deutlich häufiger und in kürzeren Intervallen als wir. Schon kurze Ruhephasen sind extrem wichtig, um Erlebtes zu verarbeiten und das Nervensystem zu regenerieren.
- Besonders Welpen und junge Hunde brauchen bis zu 18–20 Stunden Schlaf pro Tag, verteilt auf viele Pausen.
- Fehlen diese Ruhephasen oder steht der Hund unter Stress, kann das Nervensystem nicht abschalten. Das führt zu:
- Innere Anspannung
- Überempfindlichkeit gegenüber Reizen
- Geringe Impulskontrolle (Ziehen, Springen, Bellen)
2. Stress blockiert Lernen und Kommunikation
Ein Hund, dessen Nervensystem auf Alarm steht, kann Signale nur eingeschränkt wahrnehmen. „Kommandos“, Leinenführigkeit oder an Situationen angemessenes Verhalten funktionieren dann nur unzuverlässig.
3. Problemverhalten verstärkt sich selbst
Stress löst Stress aus: Jede Unsicherheit verstärkt die Alarmbereitschaft. Ein Kreislauf aus Übererregung und unerwünschtem Verhalten entsteht – nur Sicherheit, Ruhe und Regeneration können ihn unterbrechen.
Die Lösung: Ruhe, Sicherheit und Erholung
Diese aktivieren den Parasympathikus – den Teil des Nervensystems, der für Entspannung, Regeneration und Lernfähigkeit zuständig ist.
- Der Hund kann Impulse steuern, Reize verarbeiten und sich orientieren.
- Problemverhalten reduziert sich, gewünschtes Verhalten wird möglich.
Oxytocin – das Bindungshormon
Wenn Hund und Halter:in in Ruhe zusammen sind, passiert etwas Besonderes: Das Bindungshormon Oxytocin wird aktiviert – bei Hund und Mensch gleichzeitig. Es stärkt Vertrauen, Nähe und soziale Bindung. Hunde, die sich sicher fühlen, zeigen weniger Stressreaktionen, mehr Gelassenheit und sind leichter ansprechbar.
Merke: Ruhe und Sicherheit sind nicht nur „nett“, sie bewirken biologisch, dass Bindung entsteht, Lernen gelingt und Verhalten stabil bleibt.
Praxis-Tipps für Hundemenschen
- Sorge für ausreichend Ruhephasen und Rückzugsorte.
- Beobachte, wann dein Hund wirklich abschaltet – nicht nur äußerlich, sondern innerlich.
- Sorge für dich, atme tief durch, gib Orientierung ohne Druck.
- Routine, Sicherheit und Pausen fördern Entspannung und Bindung.
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Fazit – kurz & praxisnah
- Zu viel Erregung = Problemverhalten
- Ruhe = gewünschtes Verhalten & leichteres Lernen
- Ruhe ist kein Befehl, sondern ein Zustand, den ihr gemeinsam entwickelt
- Sicherheit, Orientierung und Pausen sind die Basis für ein entspanntes Miteinander
- Bedürfnisse nach Sicherheit, Ruhe und Erholung bilden die Grundlage für eine stabile Bindung
- Oxytocin stärkt Vertrauen und sorgt dafür, dass Bindung und Verhalten stabil bleibt
Merke: Je früher dein Hund lernt, sich zu entspannen, desto leichter wird alles Weitere – vom Spaziergang über Begegnungen bis zum Training.

